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Zeitgemäß bauen. Energetisch modernisieren.

3.1.4 Wintergärten

In dieser Rubrik erfahren Sie alles Wissenswerte zum Wintergarten, zur Wintergartenplanung und zur Wintergartenkonstruktion.

3.1.4.a Wintergarten – passive Nutzung von Solarenergie

Der Anbau eines Wintergartens sorgt nicht nur für einen solaren Wärmegewinn, er mindert auch die Wärmeverluste des Gebäudes, weil er in den Wintermonaten die Funktion einer Pufferzone zwischen kalter Außenluft und beheiztem Innenraum übernimmt. Er schützt die Außenhaut mit ihren Fensterflächen vor direkten Witterungseinflüssen und reduziert die Wärmeverluste. Damit sein Einsatz energetisch sinnvoll ist, muss der Wintergarten eine eigene Temperaturzone darstellen. Er darf nicht beheizt sein und muss vom übrigen Gebäude thermisch getrennt werden. Die Energieeinsparung, die mit einem Wintergarten erzielt werden kann, hängt nur unwesentlich von seiner Himmelsrichtung ab.

3.1.4.b Wintergartenplanung

Mit einem Wintergarten steigern Sie Wohnwert und Lebensqualität. Als lichtdurchflutete Erweiterung des Wohnraums ermöglicht er fast das ganze Jahr über ein „Wohnen im Grünen“. Seine Funktionen können ganz verschieden sein. Er bietet sich an als Erholungsraum, Ess- und Spielzimmer, Sommerküche, bewohnbares Orchideen- und Gewächshaus.

Der Anbau eines Wintergartens ist genehmigungs- oder anzeigepflichtig. Am besten beziehen Sie frühzeitig einen Architekten und eine Fachfirma in Ihre Planung mit ein. Glasanbauten bieten zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten. So ein kann ein Wintergarten vorgebaut, teilweise
ins Gebäude integriert, als Überdachung eines Innenhofs, als Verglasung von Terrasse, Loggia oder Balkon errichtet werden. Wichtig ist eine windgeschützte Lage, möglichst ohne die Verschattung durch benachbarte Gebäude. Eine Verschattung durch laubabwerfende Bäume ist hingegen gerade im Sommer angenehm Wenn der Wintergarten in Richtung Süden ausgerichtet ist, können Sie die Sonneneinstrahlung auch im Winter voll ausnutzen. Für die optimale Pflanzenzucht sollten Sie eine Ostlage bevorzugen.

Bei einer direkten Sonneneinstrahlung ist der Wärmegewinn abhängig vom Sonnenstand und dem Einstrahlwinkel. Damit auch im Winter eine gute Ausnutzung der Sonneneinstrahlung gewährleistet ist, sollte eine Dachschräge von ca. 50–60° gegeben sein. Außerdem kann in diesem Fall oft auf eine Sicherheitsverglasung verzichtet werden. Bei der Planung eines Wintergartens spielen aber auch die vorgesehene Innenraumnutzung sowie die Anschlüsse an das Gebäude eine wichtige Rolle.

Da ein nachträglich angebauter Wintergarten den Wert des Gebäudes steigert, sollten Sie unbedingt die Versicherungssumme der Gebäudeversicherung anpassen. Ebenfalls empfehlenswert ist der Abschluss einer Glasbruchversicherung.

Pflanzen steuern das Raumklima im Wintergarten und sollten daher mit Bedacht ausgewählt werden. Sie müssen beständig sein gegenüber starken Temperaturschwankungen, Luftfeuchteschwankungen und starker Besonnung. Außerdem ist eine gewisse Schädlingsresistenz erforderlich. Am besten ziehen Sie für die richtige Pflanzenwahl einen Gärtner hinzu. Dann haben Sie lange Freude an Exemplaren, die Ihnen Schatten bieten, Sauerstoff produzieren und mit ihrer Verdunstungskälte die Innentemperatur senken.

3.1.4.c Wintergartenkonstruktion

Mit Fundamenten werden die Lasten (Eigenlast, Nutzlast, Wind und Schnee) des Wintergartens auf den Baugrund übertragen, damit die Standsicherheit gewährleistet ist. Besonders wichtig ist die Wärmedämmung von Boden und Fundamentaußenflächen. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Abdichtung gegen Bodenfeuchtigkeit.

Wenn Sie den Wintergarten nachträglich auf einem vorhandenen Balkon, einer Terrasse oder im Dachbereich errichten möchten, muss vorab die Statik überprüft werden. Aufgrund der hohen Witterungsbeanspruchung werden bei Wintergartenkonstruktionen hohe Anforderungen an die einzelnen Bauteile gestellt. Außerdem an die Anschlüsse untereinander und an das vorhandene Gebäude.

Die Tragkonstruktion wird von Stahlkonstruktionen, Aluminiumkonstruktionen, Kunststoffkonstruktionen oder Holzkonstruktionen gebildet. Mit ganz oder teilweise zu öffnende Konstruktionen ermöglichen erreichen Sie nicht nur eine großzügige Lüftung, sondern auch sehr flexible Nutzungsmöglichkeiten. Wenn Sie sich für witterungs- oder temperaturgeführte Steuerungen entscheiden, sichern diese bei zu öffnenden Dachkonstruktionen das automatische Verschließen.

Wintergärten werden mit Mehrscheiben-Isolierglas oder transparenten Kunststoffplatten verglast, im Dachbereich mit Verbundsicherheitsglas (VSG) oder Drahtglas, sonst mit Wärmeschutzglas. Um die Außenflächen reinigen und warten zu können, sollte die Begehung des Dachs möglich sein. Da es keine Konstruktionsart gibt, bei der Kondenswasser völlig ausgeschlossen werden kann, müssen Sie im Innenraum eine Kondenswasserableitung vorsehen. Wenn Sie Niederschläge über eine Dachrinne kontrolliert ableiten, verhindern Sie die ständige Verschmutzung der Glasflächen und die Bildung von Eis im Traufbereich. Durch Spritzwasser im Sockelbereich wird nicht nur der Sockel verschmutzt – es fördert zudem die Korrosion an den tragenden Bauteilen. Derartige Schäden vermeiden Sie mit einer außenseitig umlaufenden Entwässerungsrinne. Sie wird entweder mit Anschlussstutzen an das Entwässerungssystem angeschlossen oder führt mit geschlitztem Rinnenkörper das Wasser in die umliegende Füllschicht ab.

Bei der Auswahl des Bodenbelags sollten Sie auf möglichst rutschhemmende, wärmespeicherfähige Materialien setzen. Infrage kommen zum Beispiel Naturwerkstein, keramische Fliesen und Platten oder Bodenklinkerplatten. Sie sollten mit einem leichten Gefälle zu einem Bodenablauf (inklusive Geruchsverschluss) verlegt werden.

Die Beheizung hängt von Ihren Plänen zur Nutzung ab. Wenn Sie eine sinnvolle Pflanzenauswahl getroffen haben und die Lage günstig ist, reicht gegebenenfalls eine elektrische Frostschutzheizung.
Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit und überschüssige Wärme führen Sie über die entsprechenden Zu- und Abluftöffnungen (Fenster, Klappen, Schiebetüren oder mechanische Lüfter) ab. 1/6 der Grundfläche ist der Anhaltswert für die Größe der Lüftungsöffnungen. Wenn der Wintergarten in Richtung Süden ausgerichtet ist, benötigt er eine gute Beschattung, damit unerträgliche Raumtemperaturen und ein „Verbrennen“ der Pflanzen vermieden werden. Um nächtliche Wärmeverluste zu mindern, sollten bewegliche Dämmelemente in Form von wärmedämmenden Rollläden, Klappläden, Schiebeläden, Dämmmatten oder -rollos angebracht werden.